da ist ein morgen
ein leerer morgen in der abendlandschaft
und dort
ist das meer
ein kleiner fluß in uniform
und ich sitze da
gleich bin ich bei dir
du hältst deine hände schon bereit
du schaust schon zum ufer
dort gehen soldaten
sie marschieren nicht
sie pfeifen kein lied
sie halten nach dem unbekannten ausschau
das unbekannte
das man nur erkennt wenn man weiß
welche farbe der mond hat
nachts
wenn wir schlafen und
unser leben darin ordnen
wie oft sitzen wir dort zusammen
total verschleiert
und stellen uns vor
dass so kurzromane enden
oder wir nabeln uns ab
stechen in see
der alte kapitän schaut sich das
wasser der trägen flüsse an
die matrosen gähnen
die stunden zerschnitten
zwischen den ganzen lebensläufen
was ist ein leben
ein schwindel zwischen den orten
zwischen dem fallen und ausstrecken
wo leben wir
wir leben immer in den ländern von
denen wir behaupten
wir kennen sie noch nicht
und doch
stellen wir uns auf die andere strassenseite
und alles erscheint uns vertraut
so stehst du vor mir
die nacht in einen windbeutel verpackt
und der rest der welt muss zur analyse
wir sind von den stunden nicht fern
wo wir die jacken vergraben
das ganze zeugs dass uns belastet
und was wir dann tun
nennen andere liebe
wir aber
sagen nichts dazu
wir schweigen aber auch nicht
das ist nicht möglich
denn dazu ist unsere haut zu laut
Sturznest - 20. Mai, 20:40
in mir wächst keine angst
und doch stelle ich sie mir manchmal vor
wie sie dicht hinter mir steht und mir zuflüstert
keine angst ich bin doch bei dir
ich überleg mir was ich machen könnte damit etwas neues passieren könnte
alles ist im wandel begriffen sagen die politiker und wirtschaftsleute
aber sie meinen nur den schäbigen rest der übrigbleibt wenn sie anfangen aufzuräumen
ich beginne mich nach dem herbst zu sehnen
jedes mal wenn man sich ohne kuss verabschiedet
Sturznest - 15. Mai, 19:42
wenn ich zu müde bin schlaf ich meistens ein
suche im traum wie eine irre meinen schlaf
kaum hab ich ihn gefunden
schon klingelt das telefon
meistens sind es irgendwelche geister
die mich völlig phlegmatisch fragen
wie geht es dir
ich fang dann hühner und
frage sie nach ihren eiern aus
nach ein paa stunden geben sie
mir ein paar und lassen mich
alleine stehen
dann kommt mein liebster und möchte mich
für das benutzen weshalb er mit mir
zusammen ist
wir liegen im bett und ich mache notizen
was tust du da fragt er nicht
er ist viel zu erregt
steckt in etwas bodenloses dass ich nicht sein kann
und ruft
baby du raubst mir den schlaf
während ich schon wieder karotten schäle
und die morgenlandschaft betrachte
soldaten kreisen da umher wie wache tiere
tiere die gar nicht mehr müde werden können in
meinem traum wird viel zu wenig geredet
deshalb wecke ich mich auch
in dem ich
termine
rufe
ich schwindle ein wenig denn ich habe nichts zu tun
und weil ich das weiß schlafe ich weiter
Sturznest - 11. Apr, 15:06
ich wollte mir eine bratwurst kaufen
musste aber auch den müll hinunterbringen
es war Mittwoch und
ich konnte mich nicht entscheiden
ich hatte hunger
und es klingelte niemand
an der türe
der mich fragte
ob er den müll für mich hinunterbringen dürfte
es klingelte
ein mann stand vor mir
er hatte eine unruhige art
guten morgen zu sagen
er fragte
darf ich dir den müll hinunterbringen
ich gab ihn den müll und weg war er
ich sah ihm vom fenster aus
er tanzte
bis er den müll endlich wegwarf
hielt er minutenlang inne
ob er betete
ob er fror
dann sprang er aus meine gedächtnis
ich hatte hunger
ich wollte eine bratwurst essen
aber ich hatte kein geld mehr
ach und niemand klingelte an der türe
um mir etwas zu schenken
etwas geld
damit ich mir eine bratwurst kaufen kann
wieder klingelte es
wieder stand der mann vor meiner türe
er sagte
ich wollte ihn etwas kleingeld bringen
er gab es mir und weg war er
ich sah ihm vom fenster aus nach
wie er zwischen den strassen
immer die wählte
die anschließend verschwand
ich aber hatte endlich geld
ich konnte mir eine bratwurst kaufen
aber wo
das war ja das schwere
es gab in der stadt kaum noch imbissbuden
ach warum klingelte keiner an der türe
der mir eine bratwurst brachte
ich würde ja dafür zahlen
es klingelte an der türe
er stand vor mir
er hatte eine bratwurst in der hand
ich gab ihm das geld
und er ging
ich sah ihm vom fenster aus
er blieb lange mit dem kleingeld im hof
ob er sich maultaschen dafür kaufen würde
ich wusste es nicht
Sturznest - 9. Apr, 07:28
während ich mit dir rede ist irgendwo in der stadt ein dicker mann auf die suche nach mir
er hält sein gewicht
sein gesicht sieht noch fremd aus
seine augen setzt er ab und setzt sie wieder ein
in seinem herzen geht es hoch her
seine gedanken sind bei mir
sie liegen auf dem tisch und pflanzen sich fort
seine langen haare flüstern dem wind zu
bring mich zu ihr
und während ich dir schreibe
stelle ich mir die fische vor
wie sie in der nacht ertrinken
wie du mir immer wieder das verschwinden erklärst und ich es trotzdem nicht verstehen will
in dieser nacht sind selbst die unschuldigen unschuldig
und während der dicke von frankierten briefen träumt die er sich in den weg legt
und wegschiebt...genauso schnell wie sie sich wieder in seinen weg stellen
schlägst du vor ans meer zu fahren
für ein paar tage nur unsere schritte
nur das warten auf die landschaften
die alten sätze werden wieder ausgepackt
die rufe; die schreie;
die immergleiche verbundenheit
das schweigen davor und weil es ein danach nicht gibt
das endlose schweigen des himmels
der unsere körper begräbt
als wären wir teil seines schatten
die schritte des dicken werden verwegener
er weiß dass er gleich bei mir ist
er nimmt die kurzen wege
die flüsse gähnen weil sie es immer tun wenn
irgendwo in der nähe ein fenster geöffnet ist
damit solche sätze hineinfallen
während du dir immer noch ein leben
vorstellst das mehr einer wirklichkeit ähnelt
als einem langanhaltenden traum
der dicke ist jetzt bei mir
ich folge seiner hand
seinem blick
seinen gesten
ich sehe in ihm deine ratlosigkeit
vielleicht möchte er gerne beten oder ein paar
worte an dich richten
aber wie kann er das tun
wo die schritte die zu dir führen eine ewigkeit her sind
Sturznest - 8. Apr, 03:55
als elke an diesem morgen
erwachte
wurde ihr klar
dass es ein tag war
den man
nicht an die bettler draußen
in der stadt verschenken konnte
als ich erwachte
erwachte auch der schnee
die schornsteine blinzelten
der morgen so könnte man
schreiben
hatte jede bedeutung verloren
die bettler in der stadt sammelten
ihre hüte
sie hatten eigentlich genug davon
eigentlich hatte elke allen grund
gute laune zu haben
denn sie bekam noch spät
besuch und der wollte
nicht bleiben
und deshalb lag er auch
neben ihr
sie schaute ihn an
ganz merkwürdig
dachte sie
ganz merkwürdig
dachte ich
sich so ein leben
auszumalen
es einzuschränken
durch einen anderen
die nächte aufzubrechen
den morgen zu betrachten
das alles ist seltsam....
da waren viele
gemeinsamkeiten
sie saßen in der selben
küche und sahen
durch dasselbe fenster
nur ihre köpfe waren
nicht die gleichen
fast schien es
als bewege elke ihren kopf
zögerlich zu seinem
er küsste sie wie in den guten alten modernen romanen
es war ohne bedeutung dass er mich küsste
seine lippen schwankten
sie wussten nicht woher das kam
er umfasste mich
schnappte zu
er schien zu glauben dass er bleiben darf
aber ich wusste es besser
später sagte er
später werden wir erwachen und
alles wird wie immer sein
du wirst in den morgen schauen
und die helligkeit wird dich anziehen
während ich noch immer versuche
dich zu berühren
aber auch das verschwindet
und mit ihr die ganze geschichte
es ist ja doch nur eine geschichte
sagte ich ihm
er aß sein müsli und goß sich
kaffee nach
später steckte er sich eine an
und hätte vielleicht gerne an einer pommesbude gestanden
weil das besser ausgesehen hätte
als elke erwachte klang alles
hinter ihr nach
die schornsteine waren
vom schnee bedeckt
der frühling hatte eine seltsame
form angenommen
fast sah es aus
als könnte man draußen
die farbe seiner augen noch hören
die müde in die stadt sahen
immer hoffend sie würden meinen begegnen
auf diesen ratlosen blick hatte ich
jetzt die größte lust
aber ich musste bescheiden bleiben
es war ja nur eine geschichte
irgendwer hatte sie aufgeschrieben
vielleicht um zu sehen
was passiert
wenn zwei glückliche menschen
nicht zusammenkommen
Sturznest - 7. Apr, 08:22
ich weiß nicht ob es sommer war
oder ob ich einfach nur glücklich
aber grundlos
durch die strassen dieser verzauberten stadt schlenderte
ob die strassen voller zebrastreifen waren
und nachts
der mond hin und her spazierenging ohne dass
er auch nur ein einziges mal stehenblieb
all das erkannte ich zwar
aber ich wusste nicht ob ich es war die alles erkannte
oder ob ich in der realität gefangen blieb die
behauptete ein traum zu sein
vielleicht war es die zeit
der tragischen geschichten
der züge die wegfuhren ohne an mich zu denken
aber wenn ich doch glücklich war
zwar grundlos
aber immerhin glücklich
oder es war die zeit des zweifelns
der dummen spiele die immer so ausgingen wie man
es nicht wollte
die zeit der leeren luftpumpen die nach luft suchten wie andere nach einem zuhause
es war die zeit als die männer noch hüte trugen die sie alle aus dem meer fischten
und die frauen vor sehnsucht umkamen und deshalb kartoffeln in den händen trugen
warme oder kalte kartoffeln die sie weiterleben ließen
diese nächte
in denen jeder rythmus versagte
das hineinschlängeln in handlungen
es gab keinen morgen mehr in dieser nacht
es gab nur diese schatten
diese rätsel
dieses unsichtbare das immer näher kam
einem die worte umdrehte
oder alles gesagte in den fluß warf
da war diese hand
diese finger die umherfingerten
da gab es bewegungen auf die musste man nicht stolz sein
diese augen....diese pläne
da gab es tausend romane die sich alle um dasselbe drehten
ich spürte das verlangen etwas verdorbenes zu tun und ich dachte
dabei nicht an die faulen äpfel schillers die dieser immer gerne
einfing; sich stundenlang ansehen und daran riechen konnte; die er
durchschnitt als wäre es sein herz; zwei schichten aufeinanderlegte; sich
vorstellte das wären bonbons der marke heischenbusch und sie dann
aufaß und kein einziges stückchen übrigblieb
ich wollte das unausgesprochene erleben; das blaue; das düsterne; ich
wollte etwas mystik ins irdische bringen; die augen aufschliessen
und mich verwöhnen lassen vom gestus des unerreichbaren*
diese nacht gehörte den streichholzmännern; den
überflüssigen brückenbauern; den notizblockherstellern; den
vergessenen astronauten;
ich spiegelte mich in ihnen allen wieder;
ich traf diesen verdorbenen menschen in einer ecke
er kaute tabak und fragte mich
ob ich ihn haben will
ich dachte er meine den tabak und sagte nein
und so war alles was ich an verdorbenen erleben wollte verdorben
so ein mist!
*= welch ein satz, welch ein satz; ich halt ihn fest; aber er will dauernd fliehen; ah
deshalb halte ich ihn ja fest dass er nicht fliehen kann
Sturznest - 6. Apr, 09:00
ich war die geliebte der nichtexistenzen
der verlierer
der vermögenden
die ihren reichtum eintauschten gegen eine nacht mit mir
es gab diese nacht nicht
so wie es niemals eine nacht gegeben hatte
es gab bohrtürme
und manche konnte man sehen
wenn man zu den richtigen diabenden ging
es gab zeiten da ging ich immer zu den richtigen und ich ging immer als letzte
wenn ich überhaupt ging
das war gestern
ich saß vor einem automaten
und wusste nicht mehr wie es weiterging
die letzten barfüßigen gingen durch ein tor
da blieb einer von denen stehen die immer stehen blieben wenn es was
zum stehen bleiben gab
es war lustig ihn anzusehen
er sah aus wie mein mörder
jeder hat einen mörder sagte
meine oma und schmierte mir
ein butterbrot
sie legte blaue oliven drauf
und erzählte mir wieder
und wieder die geschichte
ihrer existenz
er sagte
komm mit
als wir bei ihm waren hielt er einen
brieföffner in der hand
er sagte
meine letzte freundin war die
tochter eines hutmachers
ich glaubte ihm das nicht
genauso wie ich anderen nicht glaube die mir auf einem lottozettel schreiben
dass sie die augen schließen und sich vorstellen
ich beuge mich zu ihnen herab
(durch dunkle höhlen; eine betrachtung als könnte man alles sehen)
er fragte mich
ob ich hungrig sei
er schob zwei brote in die mikrowelle
der mond war fern
so fern wie jedes rettungsboot
ich sah meine oma auf dem viel zu großen küchentisch tanzen
sie trug einen blauen mantel und warf mit konfetti um sich
er fragte
was trägst du unter der jacke
diese goldenen worte klangen wie abgestellte adjektive in der abstellkammer
ich blickte ihn an und
versuchte mich zu erinnern was ich darunter trug
ich dachte für einen moment
dass ich vielleicht nichts darunter trug
aber das war unsinn
ich hatte mir doch heute
zwei euro für den tag eingesteckt
ich suchte in meiner jackentasche nach dem geld
dort war es nicht
es waren die alten sätze die uns schwindlig machten
es war als wäre man niemals erwacht
und würde sich alles nur erzählen wie nach
einem bitteren traum
er spürte die eiswürfel die ich unter seinem bauch schob
er spürte die worte die ich ihm nicht sagte
aber selbst im schweigen ist das sprechen noch da
diese stunden als mir alles vorkam wie in einem gedicht das einfach
nicht fertig werden will
ich spürte keine andere unruhe außer seine
er hatte mir später alles erklärt
aber ich begriff die worte nicht die er zwischen die zeilen verbannte
irgendwo wurde der hunger gereinigt
damit er wieder glänzte wenn man ihn ansah
in solch einer stunde entschloss sich anna karenina zum wiederholten male
das leben zu nehmen
die bahnhöfe waren voll damit
und manchmal erstickten sie daran
und manchmal nicht
Sturznest - 5. Apr, 06:01